Wings vs. Storm war in der Nacht vom 22. Juni 2026 mehr als nur ein weiteres Spiel im WNBA-Kalender. Es war eine klare Botschaft. Die Dallas Wings reisten nach Seattle und dominierten die Storm von der ersten Minute an. Der Abstand zwischen diesen beiden Mannschaften in dieser Saison ist inzwischen so groß, dass kaum noch von einem Duell auf Augenhöhe gesprochen werden kann.

Die Wings kamen mit einem Selbstvertrauen nach Seattle, das durch eine dramatische Aufholjagd gegen die Chicago Sky am 20. Juni noch weiter gewachsen war. Dallas lag in jenem Spiel mit 17 Punkten im Rückstand, kämpfte sich zurück und gewann am Ende mit 93 zu 92. Paige Bueckers erzielte dabei neun ihrer 19 Punkte im letzten Viertel, darunter ein Vierpunktespiel, das die Partie drehte. Dieses Erlebnis gab dem Team Rückenwind für die Reise in den Nordwesten.

Ein Duell ohne echte Spannung

Seattle stand vor dem Spiel mit nur drei Siegen und 14 Niederlagen am Tabellenende der Western Conference. Die Storm befinden sich mitten in einem freien Fall, der sich mit jeder weiteren Niederlage schwerer aufzuhalten anfühlt. Zehn Niederlagen in Folge haben die Stimmung in Seattle auf einen Tiefpunkt gebracht.

Dallas hingegen präsentierte sich als das ausgereiftere und tiefere Team. Die Wings führen die gesamte Liga im Assist-zu-Turnover-Verhältnis mit einem Wert von 1,9 an. Das ist keine Zufallszahl, sondern Ausdruck eines gut eingespielten Systems, das auf Ballbewegung und Disziplin aufgebaut ist.

TeamBilanzPunkte pro SpielGegenpunkte pro SpielAktuelle Form
Dallas Wings10 – 687,980,14 von 5 gewonnen
Seattle Storm3 – 1476,984,410 Niederlagen in Folge

Bueckers führt mit Kopf, nicht nur mit Punkten

Paige Bueckers ist in dieser Saison zur intellektuellsten Spielerin der Liga gereift. Der 23-jährige Guard steht im Schnitt bei 18,7 Punkten, 6,1 Assists und 3,9 Rebounds pro Spiel, aber ihre Wirkung auf das Spiel lässt sich in Zahlen kaum vollständig erfassen. Sie spürt, wann sie selbst treffen muss und wann sie besser den Ball abgibt. Gegen schwächere Gegner zieht sie es oft vor, ihre Mitspielerinnen einzusetzen statt selbst zu punkten.

„Manchmal muss man hässlich gewinnen. Ich fühle mich schlecht für die Leute, die zuschauen. Die sollten ihr Geld zurückbekommen.“

Diese Selbstkritik nach einem 23-Punkte-Sieg zeigt, wie hoch die Messlatte bei Dallas liegt. Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern um das Wie. Und obwohl jenes erste Spiel gegen Seattle optisch nicht schön war, war das Ergebnis eindeutig: 79 zu 56 für Dallas, ohne dass die Stammspielerinnen das letzte Viertel überhaupt bestreiten mussten.

Shepard, Ogunbowale und Fudd: Mehr als nur Ergänzungsspielerinnen

Jessica Shepard ist in dieser Saison zu einer der komplettesten Spielerinnen der ganzen Liga geworden. Mit 14,2 Punkten, 11,3 Rebounds und 5,4 Assists pro Spiel liefert sie Zahlen, die in der WNBA-Geschichte selten sind. Sie ist die einzige Spielerin der laufenden Saison, die ein Triple-Double mit mehr als 20 Punkten verbucht hat. Gegen Chicago erzielte sie 21 Punkte und holte acht Rebounds in einem Spiel, das Dallas an den Rand einer Niederlage brachte.

Arike Ogunbowale hat in den vergangenen Wochen zu ihrer besten Form gefunden. 15,2 Punkte pro Spiel und eine Treffsicherheit aus der Distanz machen sie zur gefährlichsten Außenspielerin im Dallas-Kader. Rookie Azzi Fudd ergänzt das Offensivspiel mit 12,7 Punkten und überraschend viel Gelassenheit für eine Spielerin in ihrer ersten WNBA-Saison. Vier Spielerinnen mit zweistelligem Punkteschnitt machen es Gegnern schlicht unmöglich, Dallas defensiv zu kontrollieren.

Seattles tiefste Krise seit Jahren

Die Seattle Storm gehören zu den traditionsreichsten Franchises der WNBA. In 26 Saisons haben sie nur sechsmal die Playoffs verpasst. Der aktuelle Absturz auf 3 zu 14 ist deshalb kein normaler Durchhänger, sondern ein echtes Warnsignal. Die Offensive, die nur 76,9 Punkte pro Spiel erzielt, ist die schwächste der Liga in diesem Monat. Die Defensive lässt im Schnitt 84,4 Punkte zu. Diese Kombination ist brutal.

Verletzungen haben den Kader erheblich geschwächt. Mit dem Ausfall von Jordan Horston fehlt eine wichtige Komponente im Frontcourt. Dominique Malonga (15,1 Punkte, 6,4 Rebounds) und Natisha Hiedeman (15,3 Punkte) kämpfen mit vollem Einsatz, aber ohne ausreichende Unterstützung ringsherum stoßen auch sie an ihre Grenzen. Hiedeman erzielt in dieser Saison erstmals in ihrer achtjährigen WNBA-Karriere einen zweistelligen Punkteschnitt, was zeigt, dass sie gewachsen ist. Der Rest des Teams leider nicht.

Vier der zehn Niederlagen in Folge gingen mit mehr als 20 Punkten Unterschied verloren. Das deutet nicht nur auf mangelnde Qualität hin, sondern auch auf fehlende Stabilität in der Mannschaftsstruktur. Seattle braucht mehr als eine gute Spielerin, um aus diesem Loch herauszukommen.

Dallas blickt nach vorne: Aces warten

Für die Wings ist dieser Erfolg in Seattle nur eine Station auf einem langen Weg. Das nächste Spiel führt Dallas zu den Las Vegas Aces, dem amtierenden WNBA-Champion. Es ist der härteste Test, den die Liga zu bieten hat, und gleichzeitig die beste Gelegenheit für Dallas, zu zeigen, dass dieser Saisonstart kein Zufall ist.

Die Wings haben die Aces in dieser Saison bereits einmal bezwungen und damit bewiesen, dass sie auf dem Niveau der besten Teams der Liga spielen können. Mit einem ausgeglichenen Kader, einem funktionierenden System und einer Anführerin wie Bueckers, die wächst, je größer das Spiel ist, haben die Wings echte Titelchancen.

Wings vs. Storm hat einmal mehr gezeigt, wo Dallas steht und wohin Seattle gerade treibt. Die Lücke zwischen diesen beiden Teams ist nicht zufällig entstanden. Sie ist das Ergebnis von guter Planung auf der einen und schmerzhaften Rückschlägen auf der anderen Seite. Die Saison ist noch nicht zu Ende, aber die Richtung ist klar.

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