In der Welt des deutschen Schlagers gibt es wenige Dynastien, die so authentisch und emotional wirken wie die Familie Petry. Wolfgang „Wolle“ Petry, die lebende Legende mit Hits wie „Wahnsinn“, „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n“ und „Weiß der Geier“, verkaufte Millionen Tonträger und prägte eine ganze Generation. Doch nun rückt sein Sohn Achim Petry in den Mittelpunkt – nicht nur mit Musik, sondern mit einer ehrlichen Beichte aus seiner Jugend. Im Podcast „Drews / Cordalis / Petry – Kids-Club“ und in Interviews mit BILD spricht der 51-Jährige offen über eine dunkle Phase: Drogenhandel mit Marihuana, eine kurze Zeit in Untersuchungshaft und den inneren Konflikt mit dem überwältigenden Ruhm seines Vaters.
Wer ist Achim Petry? Der Erbe einer Schlager-Ikone
Achim Petry wurde am 24. August 1974 als Achim Remling in Bonn geboren. Als einziges Kind von Wolfgang Petry und seiner Frau Rosemarie wuchs er im Schatten eines Superstars auf. Wolfgang Petry, geboren 1951 in Köln-Raderthal als Franz Hubert Wolfgang Remling, startete seine Karriere 1976 mit Hits wie „Sommer in der Stadt“. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung als Feinmechaniker, bevor er zum Schlagerstar wurde. Seine Mischung aus eingängigen Melodien, rockigen Elementen und bodenständigen Texten machte ihn zum Publikumsliebling. Bis heute sollen es rund 18 Millionen verkaufte Tonträger sein.
Achim folgte zunächst nicht direkt in die Fußstapfen seines Vaters. Er absolvierte eine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann und arbeitete zeitweise sogar als Rettungssanitäter. Erst später entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik. Heute tritt er erfolgreich mit den größten Hits seines Vaters auf und interpretiert sie neu. Mit dem Trio „Drews Cordalis Petry“ zusammen mit Lucas Cordalis und Joelina Drews singt er die Erfolge der Väter-Generation – ein Konzept, das bei Fans hervorragend ankommt.
Seine eigene Familie ist stabil: Seit 2000 ist er mit der Italienerin Giovanna verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne. Achim betont oft die Werte von Familie und Bodenständigkeit – Werte, die er auch von seinem Vater übernommen hat.
Die Beichte: „Ich hab’ Gras verkauft“
Die große Überraschung kam im Mai 2026. In einem Podcast sprach Achim Petry erstmals öffentlich über eine Episode aus seiner Jugend, von der selbst sein Vater lange nichts wusste. Mit 18 oder 19 Jahren, noch Schüler, geriet er in den Marihuana-Handel. „Ich war gerade 18, 19 und ging noch zur Schule. Das war eine Zeit, in der ich mit dem Ruhm meines Vaters nicht klarkam“, erklärte er.
Ein Freund verkaufte Gras, und Achim wurde für etwa drei Monate zum Komplizen. Seine Aufgabe war es, Ware zu transportieren und für etwas Geld mitzuhelfen. Er beschreibt sich nicht als großen Dealer, sondern als jemanden, der in die Sache hineingezogen wurde. Der Druck des väterlichen Erfolgs spielte eine zentrale Rolle: „Der Ruhm meines Vaters hat mich belastet. Ich wollte irgendwie dagegen rebellieren oder einfach nur dazugehören.“
Die Sache flog auf, als die Polizei dem Freund auf die Spur kam. Achim wurde gebeten, in der Wohnung nach dem Rechten zu sehen – dort warteten bereits vier Polizisten und ein Spürhund. Er wurde festgenommen und verbrachte 48 Stunden in Untersuchungshaft (U-Haft). Die Zeit im Gefängnis beschreibt er als „unglaublich langweilig und trostlos“. Nur seine Mutter Rosemarie wusste damals Bescheid. Wolfgang Petry erfuhr erst jetzt durch die öffentlichen Aussagen davon.
Achim betont, dass diese Erfahrung ein Wendepunkt war: „Danach habe ich nie wieder so einen Mist gebaut.“ Er nutzt die Geschichte heute, um jungen Menschen zu zeigen, dass Fehler passieren können, aber Veränderung möglich ist.
Der familiäre Hintergrund: Ruhm, Druck und starke Bindung
Wolfgang Petrys eigene Jugend war nicht einfach. Mit 16 Jahren verlor er seinen Vater und musste Verantwortung für seinen jüngeren Bruder übernehmen. Trotzdem baute er eine beeindruckende Karriere auf. Er heiratete 1972 Rosemarie und bekam 1974/76 Achim. Die Familie blieb immer eng verbunden, auch wenn der Tour-Alltag fordernd war.
Achim erzählt, dass er lange Zeit nichts mit der Musik seines Vaters zu tun haben wollte. Erst später erkannte er das Potenzial und die emotionale Tiefe der Songs. Heute treten Vater und Sohn gelegentlich gemeinsam auf, etwa im Duett „Tinte“. Wolfgang bleibt ein strenger Kritiker der Musik seines Sohnes – ein Zeichen von Respekt und Liebe.
Der Ruhm brachte der Familie nicht nur Vorteile. Achim spricht offen über den Druck, „der Sohn von“ zu sein. In Interviews erwähnt er, dass seine eigenen Kinder lange nichts von der Mega-Karriere des Großvaters wussten. Die Petrys pflegen eine bodenständige Haltung fernab vom Glitzer.
Achims Karriere heute: Vom Schatten ins Rampenlicht
Achim Petry hat sich einen eigenen Namen gemacht. Er singt die Klassiker seines Vaters, bringt aber auch eigene Songs heraus. Mit „Drews Cordalis Petry“ feiert er Erfolge auf Schlager-Events. 2025 trat er bei „Promi Big Brother“ an und zeigte sich als authentische, humorvolle Persönlichkeit.
Seine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann hilft ihm bei der Organisation von Auftritten. Er bleibt vielseitig: Musiker, Unterhalter und Familienmensch. Im Podcast „Saunah Dran“ mit Daniel Danger sprach er ausführlich über seinen Weg und warum er die Musik seines Vaters schließlich umarmte: „Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“
Psychologische Aspekte: Kinder von Berühmtheiten und Identitätsfindung
Achim Petrys Geschichte ist kein Einzelfall. Viele Kinder prominenter Eltern kämpfen mit Erwartungsdruck, Rebellion und der Suche nach der eigenen Identität. Psychologen sprechen vom „Sohn-der-Legende-Syndrom“. Der kurze Ausflug in die Drogenwelt war für Achim offenbar eine Form der Rebellion gegen das perfekte Image des Vaters.
Heute nutzt er seine Plattform, um darüber zu sprechen. Solche Geständnisse machen Stars menschlich und nahbar. Sie zeigen, dass hinter dem Glanz oft echte Kämpfe stecken. Achims Offenheit könnte vielen Fans helfen, die selbst mit Druck oder Fehlern in der Jugend hadern.
Wolfgang Petrys Reaktion und die Zukunft der Familie
Bisher gibt es keine öffentliche Stellungnahme von Wolfgang Petry zu den Aussagen seines Sohnes. Die Familie gilt als eng und loyal – es ist anzunehmen, dass das Gespräch intern stattgefunden hat. Wolfgang hat sich 2006 weitgehend von der Bühne zurückgezogen, macht aber weiter Musik, unter anderem mit der Pete Wolf Band.
Für Achim geht es weiter: Neue Auftritte, das Trio-Projekt und vielleicht weitere persönliche Einblicke. Die Beichte könnte seine Karriere sogar boosten, da Authentizität im Schlager-Genre hoch geschätzt wird.
Fazit: Eine Familie, die zusammenwächst
Die Geschichte von Achim Petrys dunkler Vergangenheit ist mehr als ein Skandal. Sie ist ein Beispiel für Wachstum, Vergebung und familiäre Bande. Wolfgang Petry baute ein musikalisches Imperium auf Ehrlichkeit und Emotionen auf. Sein Sohn führt diese Tradition fort – nun mit noch mehr Tiefe.
In einer Branche, die oft Oberflächlichkeit vorspielt, wirkt diese Offenheit erfrischend. Achim Petry zeigt: Jeder hat eine Vergangenheit, aber die Zukunft liegt in den Händen dessen, der daraus lernt. Fans dürfen gespannt sein auf weitere gemeinsame Projekte von Vater und Sohn. Die Petry-Dynastie lebt – menschlicher und authentischer denn je.