Vom Patienten gewünschte Fehlbehandlung darf nicht durchgeführt werden

Ein Arzt darf keine gegen medizinische Standards verstoßenden Behandlungen an Patienten vornehmen – auch nicht, wenn diese das ausdrücklich wünschen. Dies musste ein Zahnarzt erfahren, der von seiner Patientin auf ungefähr 45000 € Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt wurde. Die Frau wünschte eine Sanierung ihrer Frontzähne, wobei der Zahnarzt feststellte, dass die Kiefergelenke in ihrer Funktion gestört waren. Diesen Mangel wollte er erst beheben, bevor die Sanierung durchgeführt werden sollte. Die Patientin drängte ihn jedoch dazu, die Sanierung eher vorzunehmen und er gab dem Wunsch nach.

Die Patientin bekam vor dem Oberlandesgericht Hamm Recht. Auch wenn die Fehlbehandlung auf Wunsch der Frau geschah, darf der Arzt diesem nicht folgen. Aufgrund der entstandenen niedrigen Bisshöhe und der Kompression der Kiefergelenke sprachen die Richter der Klägerin den geforderten Betrag zu und argumentierten, dass auch die Belehrung des Zahnarztes über mögliche Komplikationen gegenstandslos war, da eine Fehlbehandlung dennoch nicht hätte vorgenommen werden dürfen. Somit sei die Leistung des Arztes vollständig unbrauchbar gewesen.

Mario Hommel (Fachanwalt für Medizinrecht – Mühlhausen)

2016-06-27T16:58:43+00:00Montag, 27. Juni 2016|Arzthaftungsrecht|