Sonntägliche Zustellung der Kündigung ist nicht maßgebend

Da sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber in der Probezeit für sich entscheiden, ob das bestehende Arbeitsverhältnis ideal ist, besteht für beide Seiten eine Kündigungsfrist von zwei Wochen, anstatt der üblichen vier Wochen. Obwohl ein Rechtsanwalt seiner Angestellten noch fristgerecht in der Probezeit kündigte, muss er sie dennoch die nächsten vier Wochen beschäftigen. Der Grund: Er warf ihr die Kündigung am letzten Tag der Probezeit, einem Sonntag, in den privaten Briefkasten, in dem die Frau das Schreiben erst in der nächsten Woche fand. Sie bestand darauf, dass das Arbeitsverhältnis erst vier Wochen später beendet sein könne, da sie die Kündigung erst nach dem Ende der Probezeit zur Kenntnis genommen hatte.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein gab der Angestellten Recht und begründete dies damit, dass der Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet sei, seinen Briefkasten an Sonntagen zu leeren. Ob der Arbeitgeber auch am Wochenende tätig sei oder dass am Sonntag ebenfalls lokale Werbeblättchen verteilt werden, ist ohne Bedeutung.

Manfred Leubecher – Rechtsanwalt für Arbeitsrecht (Mühlhausen)

2015-11-15T12:56:14+00:00 Sonntag, 15. November 2015|Arbeitsrecht|