Mord oder Totschlag? – Ein Streit um ein tödlich endendes Autorennen

Das Berliner Landgericht beschäftigt sich aktuell mit einem möglicherweise revolutionären Verfahren. Zwei Autofahrer lieferten sich quer durch Berlin ein illegales Autorennen und töteten dabei einen 69-jährigen Jeep-Fahrer. Bislang wurden Teilnehmer an solchen Rennen lediglich in einem Ordnungswidrigkeitenverfahren mit 400 € Geldbuße und einem Monat Fahrverbot bestraft. Endete so ein Rennen tödlich, stand in der Regel nur der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Raum. Die beiden Schuldigen stehen nun jedoch wegen Mordes vor Gericht.

Der Ankläger sieht allein zwei Mordmerkmale im Verhalten der Täter bestätigt: Das Handeln aus niedrigen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln. Die Verteidiger hielten jedoch dagegen und argumentierten, dass in der Absicht, an einem illegalen Rennen teilzunehmen keine Mordabsicht abgeleitet werden könne. Auch eine Zeugin entlastete die Fahrer, indem sie aussagte, dass sich beide spontan an der Kreuzung trafen und das Rennen kurzfristig beschlossen. Geplant war die Tat auf keinen Fall.

Michael Kunze

2016-09-09T13:22:39+00:00Freitag, 9. September 2016|Verkehrsrecht|