Momentane Terrorgefahr ermöglicht keinen stornofreien Reiserücktritt

Seit dem arabischen Frühling 2011 erschüttern Angriffe und Unruhen die nordafrikanischen Länder und viele Urlaubsgebiete. 2014 stiegen darüber hinaus die Ebola-Infektionen drastisch an. Ein Nürnberger Ehepaar stornierte aus diesen Gründen im November 2014 ihre Rundreise durch Marokko, die für das Frühjahr 2015 geplant war. Der Reiseveranstalter berechnete jedoch eine Stornogebühr in Höhe von 20 % des Reisepreises, da die genannten Risiken aus seiner Sicht keine konkrete Gefahr darstellten.

Das Amtsgericht München bestätigte die Sichtweise des Reiseveranstalters, denn seit dem Zeitpunkt der Buchung im Juni 2014 hatte sich die Terror- und Seuchengefahr nicht nennenswert vergrößert. Das Ehepaar hätte sich über die bestehenden Risiken eher informieren müssen. Dass der Reiseveranstalter vor der Buchung nicht über eine allgemeine Gefährdungslage informierte, spielt in dem Fall keine Rolle. Darüber hinaus gelten die bekannten Gefahren nicht als höhere Gewalt, sondern als allgemeines Lebensrisiko, da keine Gefahr von außen besteht, sondern diese durch innere politische Spannungen zustande kommt.

Manfred Leubecher

2015-11-22T17:52:49+00:00Sonntag, 22. November 2015|Reiserecht|