Hebamme wegen Totschlags zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt

Eine 62-jährige Hebamme hatte sich als Spezialistin für Beckenendlagen niedergelassen und betreute eine Schwangere aus dem Ausland. Diese machte deutlich, dass sie ebenso wie die Hebamme das Konzept der natürlichen Geburt befürworten, im Zweifelsfall jedoch kein Risiko für das Kind eingehen und einem Kaiserschnitt zustimmen würde. Bei einer Geburt aus der Beckenendlage ist eine Hausgeburt generell nicht empfehlenswert, die Hebamme verharmloste jedoch die Risiken und organisierte die Geburt im Hotelzimmer der Mutter.

Obwohl die Hebamme rechtzeitig über das Einsetzen der Wehen informiert worden war, traf sie erst zwölf Stunden später ein. Schließlich trat der Geburtsstillstand ein bis das Kind nach sechs weiteren Stunden aufgrund des Sauerstoffmangels tot geboren wurde. Während der Geburt verweigerte die Hebamme immer wieder eine Verlegung der Gebärenden in ein Krankenhaus, wo dem Kind noch bis zu eineinhalb Stunden vor seinem Tod hätte geholfen werden können. Das Landgericht Dortmund verurteilte die Hebamme zu sechs Jahren und neun Monaten Haft wegen Totschlags. Hiergegen richtete sie die Revision, diese wurde jedoch durch den Bundesgerichtshof verworfen.

Michael Kunze – Fachanwalt für Strafrecht (Jena)

2016-06-11T19:41:53+00:00Samstag, 11. Juni 2016|Strafrecht|