Fünfeinhalb Jahre „Praktikum“ – Arbeitgeber muss nachzahlen

Die mit 50000 € entschädigte Praktikantin arbeitete von 2009 bis 2015 bei einem Münchener Versicherungs- und Finanzvermittler für 300 € im Monat. Ihre Wochenarbeitszeit betrug 43 Stunden, sodass ein durchschnittlicher Stundenlohn von 1,62 € erreicht wurde. Diesen stufte das Landesarbeitsgericht München ebenso wie die erste Instanz als sittenwidrig ein und sprach der Frau eine Gehaltsnachzahlung von knapp 50000 € zu.

Der Arbeitgeber wandte ein, dass die „Praktikantin“ durchweg schlechte Leistungen erbracht habe. Die mit dem Praktikumsvertrag verknüpfte Ausbildung zur Finanzfachwirtin wurde nur an Montagabenden und teilweise samstags vorgenommen, gemäß dem Unternehmen ebenfalls, weil die Klägerin unterdurchschnittliche Leistungen erbrachte. Das Gericht stellte dennoch fest, dass der Praktikumsvertrag nicht den Zweck eines üblichen Praktikums erfüllte und damit ein rechtsgültiges Arbeitsverhältnis vorlag. Die angestrebte Ausbildung wurde nicht ausreichend umgesetzt, die Frau hat eine Arbeitstätigkeit ausgefüllt, wie ein typischer Arbeitnehmer.

Manfred Leubecher

2016-06-16T19:00:43+00:00Donnerstag, 16. Juni 2016|Arbeitsrecht|