Ein Aufsatz über Anne Franks Tagebuch als gerichtliche Auflage

Das Lesen eines Buches und anschließende Zusammenfassung erscheint als Auflage für eine Straftat zuerst ungewöhnlich, hat jedoch durchaus einen Grund. Ein 19-jähriger Maschinenbau-Student zeigte am Herrentag dieses Jahres einen Hitlergruß gegenüber verschiedenen Leuten, unter anderem auch Polizisten. Im Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Wolfsburg bestritt er dies unter der Begründung, er wäre politisch unmotiviert.

Dennoch wurde er wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Darüber hinaus muss er innerhalb von zwei Monaten das Tagebuch der Anne Frank lesen und eine Zusammenfassung über sechs Seiten abgeben. Das Amtsgericht Wolfsburg erklärte, dass solche Maßnahmen nicht unüblich in Jugendgerichtsverfahren seien und öfter bei derart politisch motivierten Taten herangezogen werden.

Michael Kunze – Fachanwalt für Strafrecht (Jena)

2015-11-03T18:43:24+00:00Dienstag, 3. November 2015|Strafrecht|