Anruf bei kostenpflichtiger Gewinnspielhotline ist kein Kündigungsgrund

Die Nutzung der betrieblichen Telefonanlage für Privatgespräche der Arbeitnehmer ist häufig ein Konflikt im Arbeitsrecht. So verlor eine Bürokauffrau ihren Job, weil sie in ihren Arbeitspausen privat bei einer kostenpflichtigen Gewinnspielhotline anrief. Nachdem die Telefonabrechnung zugestellt wurde und der Arbeitgeber die Mitarbeiterin auf die Anrufe ansprach, bot sie an, die gesamten Kosten in Höhe von 18,50 € zu erstatten. Dennoch wurde ihr fristlos gekündigt. Der Betrieb hatte private Gespräche vorher jedoch immer gestattet. Sie erhob eine Kündigungsschutzklage und gewann das Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf.

Das Gericht räumte zwar ein, dass eine Pflichtverletzung seitens der Arbeitnehmerin vorlag, diese jedoch nicht gravierend wäre und eine Kündigung rechtfertigen würde. Der Umfang der Privatnutzung des Telefons war nicht genau durch den Arbeitnehmer festgelegt worden, sodass die Arbeitnehmerin nicht im Unrecht war. Die Anrufe erfolgten darüber hinaus in der Freizeit der Arbeitnehmerin, sodass ihre Arbeit nicht unter der Privatnutzung gelitten hat.

Manfred Leubecher – Rechtsanwalt für Arbeitsrecht (Mühlhausen)

2015-09-20T18:57:19+00:00Sonntag, 20. September 2015|Arbeitsrecht|