Abmahnung durch Urlaubsfotos – Debatte über EU-Urheberrecht

Im Sommer sind sie unsere Erinnerungen an die schöne Urlaubszeit. Wir präsentieren unsere Urlaubsfotos schon lange nicht mehr nur unseren Freunden und Verwandten bei Diaabenden, sondern auch in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram. Besonders diese virtuelle Präsentation könnte schon bald Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen nach sich ziehen – zumindest wenn es nach dem Willen des französischen Politikers Jean-Marie Cavada geht.

Dieser hat dem Rechtsausschuss des EU-Parlaments den Änderungsvorschlag unterbreitet, der seit einigen Tagen besonders in den sozialen Netzwerken für Aufregung sorgt. Die Rede ist von der Panoramafreiheit, die bis jetzt in fast allen Ländern herrscht. Die Panoramafreiheit erlaubt das Fotografieren und die Verbreitung der Fotos und Videos von Bauwerken und architektonischen Skulpturen. Die angestrebte Änderung würde dieses Recht entweder komplett beschneiden oder nur die nicht kommerzielle Nutzung erlauben.

Hier liegt bei den sozialen Netzwerken der Knackpunkt: Sobald ein Bild beispielsweise bei Facebook hochgeladen wird, überträgt der Nutzer einen Teil der Rechte auf die Plattform und versichert, die alleinigen Rechte am Werk zu haben. Das wäre künftig allerdings nicht mehr der Fall und könnte eine urheberrechtliche Abmahnung zur Folge haben. Doch nicht nur die sozialen Netzwerke sind betroffen, denn ganze Datenbanken, unter anderem auch Wikipedia, hätten die Entfernung aller streitgegenständlichen Bilder zu befürchten.

Am 9. Juli 2015 wird über den Vorschlag abgestimmt.

Michael Kunze

2015-06-28T17:41:48+00:00Montag, 29. Juni 2015|Andere Rechtsgebiete, Internetrecht|